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Pinta Dresden

Erster Stop einer Bartour durch Dresden*

Schon seit einiger Zeit juckt’s in meinen Fingern eine Bartour durch Dresden zu erstellen. In dieser Reihe von Artikeln möchten wir unsere Barempfehlungen für Dresden vorstellen und näher darauf eingehen warum wir die jeweilige Bar so schätzen. Wir beginnen diese Tour 2 Stufen über der Louisenstraße – in der Pinta.
Schon nach dem Durchschreiten der Pforte wird schnell klar, dass man hier einen Tempel der Trinkkultur gefunden hat: rechter Hand der Tresen mit 4 Hockern, links entlang der Wand eine erhöhte Bank, vor ihr 4 Stehtische mit jeweils einem Barstuhl – insgesamt gemütliche 14 Plätze. Ein separiertes Backboard gibt es nicht. Hinter dem Tresen ist die gesamte Wandfläche mit Regalen ausgestattet, die diversen Schätzen der Spirituosenwelt eine Heimat bieten. Davor ist jede Wand in Deckennähe mit einem Hängeregal verziert, um der enormen Sammlung Unterkunft zu gewähren. Weiter geradeaus, gelangen wir in ein Séparée, das neben weiteren 56 Plätzen eine verschlossen Glas-Vitrine beherbergt, in der die Kronjuwelen der Sammlung zu finden sind. Hiernach gelangt man schlussendlich in eine kleine, äußerst gemütliche Raucherlounge, in deren Polstern man gern versinkt.
Barchef Peter Schneider ist ein leidenschaftlicher Sammler. Mittlerweile hat er über 850 Spirituosen in seiner “Dauerausstellung” und nicht die geringste Absicht es dabei zu belassen. Und auch der Rest der Besatzung kann mit dieser Auswahl sehr gut umgehen. Nie ist die Karte, die mit 450 gelisteten Drinks für unseren Geschmack “ein wenig zu umfangreich” ist, alleiniger Grund für einen Besuch. Dennoch empfehlen wir einen Blick hinein zu werfen – besonders in die noch im Druck befindliche neue Karte, die neben bekannten Drinks auch vereinzelt Eigenkreationen des Hauses aufführt. Vielmehr sind es die Empfehlung bzw. Kreation des Hauses, die bei einer Bestellung nach Geschmack und Vorstellung jederzeit den Anforderungen bestehen. Es scheint gerade so als schaue man bei dem “nicht bestellten Drink” in einen Spiegel um den eigenen Gemütszustand zu erblicken. Doch nicht nur die Drinks sind es, die uns immer wieder hier her ziehen. Sei es ein Rum, der seit Jahren nicht mehr auf dem Markt ist, oder ein Gin, der eben erst den Markt erreicht hat – beide sind mit Sicherheit hier zu finden. Deshalb war Peters Tresen auch schon mehr als einmal Ort der Wahl für einen Flight. Wenn die Bar grad’ nicht all zu voll ist, kann man hier auch mal um eine ganz spontane Verkostung bitten, die der Barchef mit teils erstaunlichen Einzelheiten zu den verkosteten Spirituosen zu bereichern weiß.
Natürlich kann man in der ältesten Cocktailbar der Dresdner Neustadt auch zwischen Bier, Wein, Sekt und einer angebrachten Auswahl an Zigarren wählen. Geöffnet wird in der Louise 49 täglich um 19 Uhr, Sonntag – Donnerstag versiegt der Zapfhahn um 2, Freitag & Samstag werden um 4 die letzten Gäste über die Planke geschickt.
Pinta
Louisenstr. 49
01099 Dresden
Straßenbahn: 13 (Rothenburger Str.)

Bewertung:

° Jens

P.S.: Zu diesem Zeitpunkt liegt der Redaktion leider kein verwertbares Bildmaterial vor. Wir werden uns bemühen dies zeitnah nachzureichen.

kanalisierBAR #2

Luc kann nicht mit Whisk(e)y. Chris mag Irish Whiskey. Stormi mag schottische Single Malts. Max und Jan finden stark rauchige Scotches klasse, welche wiederum laut Chris und Stormi keine Whiskys sind. Anatol findet generell alles toll, was toll ist – so also auch Laphroaig – und ich bin dieser Überzeugung:

Whisky is liquid sunlight. — George Bernhard Shaw

Doch weit gefehlt, in dem folgenden Artikel soll es eigentlich gar nicht um Whis(e)ys gehen, sondern um die Vermählung eben jener mit Drambuie. Drambuie, gälisch an dram buidheach – “Der Trank, der glücklich macht” – möglicherweise auch an dram buidhe – “Der gelbe Trank” – ist ein schottischer Blend aus gealtertem Malt und Grain, gesüßt mit Honig und veredelt mit einer streng geheimen und gut gehüteten Kräutermischung. Ein Getränk also, dass alleingestellt bereits einen genialen Drink abgibt. Vermutlich ist es auch dieser Tatsache geschuldet, dass der Rusty Nail – einer der Klassiker unter den Whisk(e)y-Drinks – ein Duett, ein 2-Komponenten-Drink ist.

Dies ist kein Rusty Nail, jedoch zeigt das Bild genau das perfekte Zusammenspiel zweier Zutaten in einem Glas. Jede weitere Zugabe wäre unnötig und überflüssig. ;)

Spaß beiseite. Der klassische Rusty Nail besteht aus Drambuie und blended Scotch, wobei die Verhältnisse von 1:1 bis 1:3 (Drambuie : Scotch) variieren. Nach ausgiebigen Recherchen stammt diese Kombination aus dem Jahr 1937, wo sie erstmalig 1:3 mit einem Dash Bitters auftauchte. Von “B.I.F” über “D&S” gelang sie letztlich zum Namen “Rusty Nail”, welcher von Gina MacKinnon und damit der Drambuie Liqueur Company in der New York Times für gut befunden wurde.

Der Rusty Nail: keine Bitters, keine Shaker, keine Martinischale und eine milde 1:1 Mischung. Mittlerweile gibt es (wieder) diverse Variationen, welche vom Hinzufügen von Gin über das Ersetzen von Scotch durch Rye, Canadian oder Bourbon bis hin zur Zugabe von Maraschino reichen. Meiner Meinung nach sollten alle als “Rusty Nail (Twist)” – besser noch “Twisted Nail” – bezeichnet werden.

Wie bei den meisten Klassikern gilt jedoch: wie er am besten ist, kann man nicht am Rezept erlesen sondern sollte zumindest probiert werden. Das Original ist und bleibt eine simple Kombination aus Drambuie und Scotch – und schon über diese kann man streiten. Während ein sanfter Scotch, sagen wir 16 jähriger Glenlivet, die Milde des Likörs unterstreicht, verleiht ein guter Bourbon, z.B. Maker’s Mark, dem ganzen Charakter und wer seinen Drink auch mit der Nase genießen möchte, liegt nicht falsch seinen Rusty Nail auf einem rauchigen Whisky, bspw. Laphroig, zu ordern. Mehr zu all dem erfahrt ihr bei uns im Kanal. In diesem Sinne, Cheers!

RUSTY NAIL*

One part Drambuie, two of Scotch,
the glass be clear, no tainting blotch.

Stirred, not shaken – cold as ice
served with a twisted lemon slice.

Don’t hesitate, but savour quickly,
for if it’s warm it’s rather prickly.

– Litti (in Anlehnung an diese großartige Rezeptur eines Planter’s Punch)

° Litti

Bilder

“Rostige Nägel” – Douglas Brill* // “Rostiger Nagel” – Boston Herald*

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