Nichts schlimmes ahnend wollte ich mit Lucas ein Bier im Bottoms Up trinken gehen und schaute auf dem Weg dahin, wie der Rest der Neustadt und vermutlich auch der Welt, nach rechts. Nicht so Lucas. Er musste natürlich mal wieder was ganz besonderes sein und schaute nach links.
Von der Louise also auf die Lutherstraße abgebogen, saß ich in Gedanken schon im Biergarten, als Luc mich wegen oben erwähnter Umstände plötzlich in einen kleinen Laden zog. Über dem Eingang las ich noch “… & Café” und schaute mit schüttelndem Kopf zu, wie sich der Tagtraum in Wohlgefallen auflöste.
Kaum hatte ich die Türschwelle übertreten, war mir klar, dass wir hier eine Perle in der Neustadt gefunden haben. Über 200 verschiedene Gewürze, Salze und besondere Sirups, Delikatessen (Chili-, Limonen- und Safrannudeln), Accessoires (Salz-, Pfeffermühlen und mehr) sowie Gewürz- und Kochbücher. Dresden hat also einen “Spice Market”, das Zaffaran, und ich weiß jetzt auch, wo er zu finden ist.
Nachdem wir an verschiedenen Gewürzen geschnuppert hatten und unsere Sinne total überflutet waren, entschieden wir uns noch kurzerhand einen Rosenblütensirup mitzunehmen und erstmal das Weite zu suchen. Schließlich wartete noch ein Bier auf uns.
Unser frisch-aus-dem-Garten-Minzlieferant Matthias und ich beschlossen uns am Montag Abend zu treffen, um die verschiedenen Wirkungen von 7 Minztypen auf Mojito zu testen. Genutzt wurde dazu:
Havana Club añejo tres años (ich weiß, ich weiß, es sollte weißer Rum sein, aber wir von der wunderbar bevorzugen eben Havana 3 in unseren Mojitos)
raffinierter Rohrzucker (richtig, kein Kristallzucker – der hat zu wenig Geschmack und Demerara löst sich einfach nicht schnell genug)
Bonaqua Tafelwasser (Soda war gestern ;) )
und natürlich Eis – in Würfeln, nicht crushed (La Bodeguita del Medio nutzt Eiswürfel, also tun wir das auch).
Verkostet wurden Mojitos auf folgenden Minzarten:
Gemeine Minze
Multimentholminze
Orangenminze
Schokoladenminze
Schweizer Minze
Hemingway-Minze (die hiesige Yerba Buena)
und ?-Minze.
Die Ergebnisse waren in unserer Runde recht einstimmig, jedoch muss ich sagen, dass ich grad’ nur eine Einzelmeinung wiedergebe.
Gemeine Minze: wie der Name schon vermuten lässt, ist diese hinterhältig und gemein. Weder ist sie großartig minzig (sowohl geschmacklich als auch aromatisch) noch sieht sie sonderlich ansprechend aus. Damit ist eigentlich schon zuviel gesagt, um jene Minze zu beschreiben.
Multimentholminze: diese robuste und stark menthollastige Minzart ist eine alte DDR-Züchtung. Abgesehen von ihren guten Überwinterungseigenschaften und dem speziellen Aroma bleibt wenig über sie zu sagen. Geschmacklich nicht gerade überzeugend – jedenfalls nicht im Mojito.
Orangenminze, auch Bergamotte-Minze: eine ganz besondere Art. Bei der pur Verkostung erinnerte sie an Spülmittel bzw. Schaumbad (nicht, dass einer von uns wüßte wie sowas wirklich schmeckt), aber das Aroma ist absolut überragend. Orangig, offensichtlich. Dummerweise kam die Ähnlichkeit mit Spülmittel auch im Nachgeschmack stark durch – nicht unbedingt eine Geschmacksempfindung, die man im Mojito sucht. Wir waren jedoch in der Lage diesen Nachgeschmack durch Hickory Smoke Sauce (flüssiger Rauch) zu unterdrücken, was dem Mojito einen interessanten Twist verlieh, aber noch nicht als perfekt zu bezeichnen ist. Ein Versuch mit Orange Bitters steht noch aus.
Schokoladenminze: hiermit ist der Ring für die Favoriten eröffnet. Allein das Aroma dieser wundervollen Minze schickt einen in Gedanken ohne Umweg mit Charlie in die Schokoladenfabrik. Beim Kosten zeigt sie dann ihre wahre Größe. Man stelle sich eine Trinkschokolade von zotter vor und kombiniere sie mit Minze – großartig! Definitiv den einen wie den anderen Mojito wert.
Schweizer Minze: im Vorhinein eher unscheinbar entpuppte sich diese Minze als echte Delikatesse. Aromatisch der Hemingway-Minze sehr ähnlich, punktet sie aber geschmacklich durch eine feine Zitrusnote. Desweiteren sorgt das helle grün der Blätter für einen sehr einladend aussehenden Mojito – nur zu empfehlen.
Hemingway-Minze: ganz klar ging dieses Schwergewicht als klarer Favorit in den Ring. Doch je höher die Erwartungen, desto schwerer ist es jene zu erfüllen. Aromatisch wie eine echte Minze sein sollte und geschmacklich sehr kräftig. Aufgrund der Größe der Blätter dieser Minze reichen 3-4 davon aus um einen guten Mojito zu machen. Das Ergebnis überzeugt durchaus. Das Maß der Dinge, wenn man auf der Suche nach einem “echt kubanischen Mojito” ist, nicht aber die beste Wahl, wenn man bereits gesehen (gekostet) hat, dass noch viel mehr geht.
?-Minze: diese suspekte Minzart entpuppte sich nach intensiver Forschung als Grüne Minze, auch Speerminze. Aromatisch überzeugt die Frische, die von ihr ausgeht, ohne dass sie dabei zu menthollastig ist. Geschmacklich verleiht ihr eine gewisse Gewürznote (scharf, aber nicht wie Pfefferminze) den extra Kick. Neben der Schweizer Minze die Wahl für einen erfrischenden Mojito an warmen Sommertagen.
Alles in allem eine sehr angenehme Verkostungsrunde, die interessante Ergebnisse mit sich brachte. Sollte der Versuch Orangenminze mit Orange Bitters in einen guten Mojito zu verwandeln von Erfolg gekrönt sein, werden wir euch dies natürlich nicht vorenthalten. Und wenn ich mal eine Poleiminze auftreiben kann, wird jene natürlich sofort auf Mojito-Tauglichkeit geprüft, schließlich wird ihr nachgesagt eine hocharomatische Tee-Minze zu sein, jedoch ist ihr Geschmack eher als bitter einzuordnen. Mal sehen.
Nirvana – Pennyroyal Tea (1993 – MTV Unplugged in New York)
Oder: Im Notfall Scheibe einschlagen und Jynnan Tonnyx trinken
Nichts Böses erwartend fielen Steff und ich in eine der wenigen Annaberger “Bars”, welche mir auf dem Weg ins Wochenende empfohlen wurde, die “Melodie”. Nun, ich hab’ schon vor einiger Zeit aufgehört zu glauben, dass ich bei Peter lande, wenn ich in eine Bar gehe, denn zu hohe Erwartungen bergen meist die Gefahr, enttäuscht zu werden. Aber auch Stürze aus geringer Höhe können einen unsanften Aufprall mit sich bringen. Die Abwesenheit eines ernstzunehmenden Backboards ließ mich schnell von meinem “Standardplatz” (an der Bar) abwenden, die in der Ecke stehende Couch jedoch schloss uns sanft in ihre Kissen.
Barmaid/Kellnerin: “Darf’s schon was sein?”
Ich zu Steff: “Du auch?” -- “Ja.”
Ich zur Barmaid: “Zwei Cuba bitte.”
Schon freute ich mich auf einen gelungenen Einstieg ins Wochenende als ich mit den Worten “Laut Karte machen die hier Rohrzucker in den Cuba” jäh aus meinem Tagtraum gerissen wurde. “Das weiss ich zu verhindern”, meinte ich gelassen und stand zwei (weit weniger gelassene) Schritte später an der Bar, auf welchen ich von einem vom Raum-Zeit-Kontinuum verschluckten “Zu spät…” begleitet wurde. “Bitte ohne Rohrzucker”, meinte ich zur Barmaid, die mich mit einer Tüte Rohrzucker in den Händen ertappt ganz entsetzt anschaute. Sie gab meiner Bitte dann aber wegen meines “Das ist kein Jim Beam”-Blicks statt. Auf der Couch zurück meinte Steff zu mir: “Da fehlen jetzt nur noch Strohhalme.” Von wegen -- neben einem Strohhalm stierten mir auch ein Fleischspieß und ein Plastik-Rührstäbchen ängstlich entgegen. Den Deko-”Regenschirm” vermissend war ich doch überrascht, dass mir nicht auch noch Besteck dazu serviert wurde. Trotz gruseligen Zubereitungsmethoden schmeckte der Cuba erstaunlich gut, was uns aber nicht davon abhielt danach zu flüchten. Wer weiß, was uns noch alles erwartet hätte.
Auf also zur nächsten Empfehlung, dem “Papperla Pub”, welches sich direkt unter meinem Wochenenddomizil befand -- welch Zufall. Aus Gründen der Gemütlichkeit und natürlich wegen der Sicherheit wählten wir hier einen Platz direkt an der Bar. Prompt lächelte mich eine Buddel Brugal an und forderte mich dazu auf meine Cuba-Erfahrung der dritten Art aus meinem Gedächtnis zu verbannen. Vorsichtshalber bat ich die neue Barlady gleich während der Bestellung den Cuba ohne Rohrzucker zu fertigen. Lächelnd meinte sie, dass sie das immer so tue. Ich fühlte mich in sicheren Händen und warf einen Blick in die Whisk(e)y-Karte, während Steff der Bardame erklärte was ein Marlowe’s Gimlet ist. Der Cuba wurde auch hier mit Strohhalm serviert, dafür aber ohne Rührstäbchen. Nicht so gut, wenn die Limetten mangels Umrühren am Boden festhängen. Zum Glück hab ich immer ein Taschenmesser dabei. Wegen der Freundlichkeit des Bar-Teams, dem interessant gestalteten Spirituosen-Portfolio und dem geschmacklich hervorragenden Cuba fiel die B-Note hier deutlich höher aus und wir blieben noch auf ein Guinness. Zu Haus angekommen tranken wir noch einen Jynnan Tonnyx um den Abend ausklingen zu lassen.
Was will uns diese Geschichte sagen? Nichts. Sie ist nur eine Herleitung zu folgenden Fragen:
1. Wer zur Hölle kam auf die bescheuerte Idee viel zu vielen Bartendern zu erzählen, dass es eine gute Idee sei Rohrzucker in einen Cuba zu kippen? Und
2. Ist “Die meisten wollen das so” wirklich Grund genug in jeden bestellten Cuba einen Strohhalm zu stecken?
Wie der Mojito und einige andere Klassiker ist der genaue Ursprung des Cuba Libre leider unbekannt und vermutlich nicht mehr auffindbar. Was man mit Sicherheit sagen kann ist jedoch, dass der erste Cuba Libre auch genau dort (in/auf Cuba) geschlürft wurde. Wann? 1900 -- denn seitdem gab es dort auch Coca Cola. Der Name jedoch geht auf den Kampfschrei der US-Befreiungsarmee “Cuba Libre!” im Spanisch-Amerikanischen Krieg zurück, welcher am 12. August 1898 endete. Da eben jene Befreiung eine de facto Annexion war wird dieser Drink vor Ort auch häufig als Mentirita -- “kleine Lüge” -- bezeichnet.
Wir bevorzugen unseren Cuba mit (½ ausgepresster) Limette, ohne Rohrzucker und vor allem ohne Unfug wie Strohhalme, Rührstäbchen oder gar Cocktailschirmchen. Auch trinken wir von Zeit zu Zeit gern einen Cubata -- also einen Cuba Libre mit braunem statt weißem Rum. Aufgrund der Tatsache, dass es kein einziges brauchbares “Cuba Libre How To” als Video gibt und wir uns alle einig über den zu verwendenden Rum sind hier noch folgendes kleine Schmankerl:
Man könnte behaupten, wir seien frech. Immerhin haben wir es geschafft zwei Welten kollidieren zu lassen: Studenten und Barkultur. Aus diesem “Clash” erhofften wir uns Inspiration für beide Seiten. Genau genommen haben wir das auch geschafft und schreiben bereits im Rahmen eines intensiven Gehirnsturmes unsere Ideen für den WCC 2012 nieder. Dieser wird am 19. Januar stattfinden.
Bis dahin hinterlassen wir den Eindruck einer Veranstaltung, die nicht nur ein Unikum sein will, sondern immer eins sein wird. Vielleicht hört man bald auch von einer neuen “Dresden Cocktail Challenge”? Wer weiß. Dies ist kein Review, sondern ein Ausblick – auch in die Vergangenheit.
Nachtrag: Im Blog des Magazins für Barkultur, Mixology, gibt es einen Artikel über den Cup. Auch Mike Meinke von der Triobar Berlin hat einen Bericht im Gastronom-Blog geschrieben.
Luc kann nicht mit Whisk(e)y. Chris mag Irish Whiskey. Stormi mag schottische Single Malts. Max und Jan finden stark rauchige Scotches klasse, welche wiederum laut Chris und Stormi keine Whiskys sind. Anatol findet generell alles toll, was toll ist – so also auch Laphroaig – und ich bin dieser Überzeugung:
Whisky is liquid sunlight. — George Bernhard Shaw
Doch weit gefehlt, in dem folgenden Artikel soll es eigentlich gar nicht um Whis(e)ys gehen, sondern um die Vermählung eben jener mit Drambuie. Drambuie, gälisch an dram buidheach – “Der Trank, der glücklich macht” – möglicherweise auch an dram buidhe – “Der gelbe Trank” – ist ein schottischer Blend aus gealtertem Malt und Grain, gesüßt mit Honig und veredelt mit einer streng geheimen und gut gehüteten Kräutermischung. Ein Getränk also, dass alleingestellt bereits einen genialen Drink abgibt. Vermutlich ist es auch dieser Tatsache geschuldet, dass der Rusty Nail – einer der Klassiker unter den Whisk(e)y-Drinks – ein Duett, ein 2-Komponenten-Drink ist.
Dies ist kein Rusty Nail, jedoch zeigt das Bild genau das perfekte Zusammenspiel zweier Zutaten in einem Glas. Jede weitere Zugabe wäre unnötig und überflüssig. ;)
Spaß beiseite. Der klassische Rusty Nail besteht aus Drambuie und blended Scotch, wobei die Verhältnisse von 1:1 bis 1:3 (Drambuie : Scotch) variieren. Nach ausgiebigen Recherchen stammt diese Kombination aus dem Jahr 1937, wo sie erstmalig 1:3 mit einem Dash Bitters auftauchte. Von “B.I.F” über “D&S” gelang sie letztlich zum Namen “Rusty Nail”, welcher von Gina MacKinnon und damit der Drambuie Liqueur Company in der New York Times für gut befunden wurde.
Der Rusty Nail: keine Bitters, keine Shaker, keine Martinischale und eine milde 1:1 Mischung. Mittlerweile gibt es (wieder) diverse Variationen, welche vom Hinzufügen von Gin über das Ersetzen von Scotch durch Rye, Canadian oder Bourbon bis hin zur Zugabe von Maraschino reichen. Meiner Meinung nach sollten alle als “Rusty Nail (Twist)” – besser noch “Twisted Nail” – bezeichnet werden.
Wie bei den meisten Klassikern gilt jedoch: wie er am besten ist, kann man nicht am Rezept erlesen sondern sollte zumindest probiert werden. Das Original ist und bleibt eine simple Kombination aus Drambuie und Scotch – und schon über diese kann man streiten. Während ein sanfter Scotch, sagen wir 16 jähriger Glenlivet, die Milde des Likörs unterstreicht, verleiht ein guter Bourbon, z.B. Maker’s Mark, dem ganzen Charakter und wer seinen Drink auch mit der Nase genießen möchte, liegt nicht falsch seinen Rusty Nail auf einem rauchigen Whisky, bspw. Laphroig, zu ordern. Mehr zu all dem erfahrt ihr bei uns im Kanal. In diesem Sinne, Cheers!